Es ist ja so:

Einer steht da und erzählt wie es ist. Man könnte sich mit ihm unterhalten,
aber meistens unterhält nur der eine die anderen. Und gut, dass das mal einer sagt.
Selber sagt man’s ja auch immer wieder.
Aber gut, dass noch jemand das so sieht –

Und dann stehen da Zwei und üben Kraft aus. Gegen den Feind, gegen den Freund, gegen einander, gegen sich selbst. Man schlägt zu und schlägt… ins Leere.
Früher wurde man sogar beschattet, aber das ist lange her.

Tucholsky hat den Holocaust verhindert, Georg Kreisler den Vietnamkrieg. Und jetzt also wir. Was wir nicht schon alles verhindert haben! Da ein Lied, hier eine Zeile, schon brechen Imperien zusammen. Sie sitzen da, wir stehen hier. Nichts kann passieren, aber schauen Sie mal hier: ein Handstand!

Wenn ich diesen Kaffee austrinke, stirbt irgendwo ein afrikanisches Baby, und wenn ich mir den leeren Kaffeebecher ans Ohr halte, kann ich in der Ferne einen Eisbären zu nah an die Stadt kommen hören. Wegen Essensresten. Aber gut. Das Schmelzen wont dem Schneemann inne. Soll heißen: der Untergang ist nah, doch wir sind zur Stelle und haben Anzüge an, da kann man eigentlich nichts gegen sagen…

Stephan Dorn und Falk Rößler nehmen sich die Kleinkunst vor – von Kabarett und Comedy über Pantomime und Zauberei bis hin zu Puppenspiel und Jonglage. Sie fragen dabei, was kritische Kunst war, ist und womöglich (nicht mehr) sein kann und wie eine sowohl spannende als auch unterhaltsame zeitgenössische Theaterästhetik aussehen kann.


Eine Koproduktion mit dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, dem Theaterdiscounter Berlin, der Hessischen Theaterakademie und dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen.
Mit freundlicher Unterstützung durch die hessische Film- und Medienakademie, das Kulturamt der Stadt Gießen, Z / Zentrum für Proben und Forschung Frankfurt a.M.

Besonderer Dank an: Björn Mehlig, Marcus Droß, Anna Krauß, Heike Rößler, Tino Kühn


Pressestimmen
Aufführungen
Trailer
Konzept
  • “Ja, das ist weit weg und verdammt lang her, dass sich Schauspieler „on stage“ so tiefsinnige Gedanken über ihr Tun machen. (…) Die schräge, ganz unarithmetische Rechnung der beiden Theatermacher geht in jedem Moment auf. Weil sie auf die Urkräfte des Theaters vertrauen, dass da einer steht, ganz allein, und sich zum Affen macht, um denselben in sich und uns zu entdecken. (…) Auf seine eigene, die Unsicherheit nicht verbergende Art hinterfragt das Duo dem selbst gesetzten Auftrag gemäß nicht nur Kleinkunst, Varieté oder den Jahrmarkt der zu Facebook getragenen Eitelkeiten – sie machen auch ganz großes Theater. Das berührt. (…) Wo alle nur noch spielen, statt zu sein, kann solche kleine Großkunst etwas geben, was längst verloren schien: Die kleine Freiheit namens ‘vielleicht’.”

    Kieler Nachrichten, 17.06.2013


    “Aber wir sind ja schließlich nicht im Kabarett, sondern im Frankfurter Mousonturm, wo Stephan Dorn und Falk Rößler zwar die ganze Zeit so tun, als seien wir im Varieté oder im Mainzer unterhaus. Doch im Kern ist ihre Abschlussarbeit der Angewandten Theaterwissenschaft klassische Gießener Schule und also keine Kleinkunst, sondern Metakabarett (…) Geht es doch nicht nur um die Relevanz eines mehr als 100 Jahre alten, von Tucholsky über Werner Finck und Ursula Herking bis Dieter Hildebrandt geadelten Formats. Darum etwa, was Kritik auf einer Bühne, was Humor, Sarkasmus, Komik in Bezug auf die Gesellschaft überhaupt vermögen. (…) All das ist klug und kenntnisreich und sehr präzise inszeniert.”

    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2014


    “Dorn jongliert, Rößler spielt Keyboard und Ukulele, sie hantieren mit CD-Player und Lichtorgel. Schnell zeigt sich: Sie sind vielseitig, beherrschen ihre Instrumente, können singen und sind gut aufeinander eingespielt. Gute Voraussetzungen also. Doch die Inszenierung voller Kleinkunst, Kabarett und Jonglage, auf die sie einstimmen, soll rosig und dornig werden. (…) Viele Nummern sind so offensiv banal, dass sie schon wieder witzig sind. Das gelingt nur, weil es die Künstler an Selbstironie nicht mangeln lassen. Vielleicht erklärt das den langen Applaus, mit dem das Publikum die erschöpften Künstler aus dem stickigen Theaterhaus entlässt.”

    Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 11.06.2013


    “Aber was hier wie launiges Kabarett beginnt, wird in „Die kleine Freiheit – vielleicht“ von FUX recht schnell ziemlich anarchisch und radikal. Mal am Flügel, an der Ukulele oder per Kassettenrecorder ackern sich Rößler und Dorn ebenso verfremdungsfreudig wie subtil durch die Methoden der Kleinkunst. (…) Stets gewinnend lächelnd, dem Publikum zugewandt und stellenweise sogar interaktiv zeigt das Duo, dass es die Mechaniken von Kleinkunst und Kabarett durch und durch verstanden hat. Dabei werden die Strategien nicht bloß vorgestellt, sondern doppelt ironisch zitiert und mit unerbittlicher Akribie durchgezogen. (…) Wobei man sich noch beim Lachen fragt, wer hier eigentlich wen verschaukelt: Die beiden Performer sich selbst oder das Kleinkunstgenre? (…) Ist womöglich die Kleinkunst der Ort, an den sich das politische Theater zurückgezogen hat? Weil die großen Themen auf den großen Bühnen längst zum Klischee verkommen sind? Hilft dem politischen Theater dann nur noch die radikale (Selbst-)Kritik der Kleinkunst? Die Performance ist ein Fisch, der einem auch nach zwei Stunden immer noch hartnäckig entgleitet. Das ist sie eben, die kleine Freiheit, die man sich auf der Bühne als Kleinkünstler heraus nehmen darf.”

    NOW! OUT, digital journal, OUTNOW! Festival 2015, 23.05.2015


    “Wem sind die humorig-kritischen Alleinunterhalter noch nie auf die Nerven gegangen, die ihr Publikum sowohl amüsieren als auch moralisch-sozial-politisch weiterbilden wollen? Stephan Dorn und Falk Rößler nehmen sich nun im Theaterdiscounter alle möglichen Formen der Kleinkunst vor und befragen sie nach ihrem Sinn oder Unsinn. Sich selbst nehmen sie in ihrer Show „Die kleine Freiheit – vielleicht“ löblicherweise nicht aus.”

    Berliner Zeitung, 27.06.2013


    “Da wird mit Verweisen gespielt, sich selbst aufs Korn genommen, das politische System kritisiert und karikiert und gelegentlich auch die Ausdauer des Zuschauers bis zum Unerträglichen ausgereizt. (…) Das Kabinett wird zum Kabarett, zur Farce. So bunt, grell und heiter die Umsetzung, so nachdenklich stimmt die Inszenierung. Und das große Ganze sowieso.”

    Gießener Allgemeine, 12.03.2013


    “Ein bisschen makaber, ein bisschen tiefsinnig. Vor allem aber mit vielen Überraschungen, Tricks und Lichtern (…) Die Inhalte sind oft makaber, doch dann setzte sich immer wieder schnell die Komik durch. Schließlich geht’s ja um Kleinkunst, nicht um ein großes Drama.”

    Gießener Anzeiger, 12.03.2013


    “Eine Performance, die sich zwischen Kindergeburtstag und großen Weltproblemen ihren Weg zur Rettung der Gesellschaft vor dem Untergang baut.”

    Mannheimer Morgen, 25.04.2013

  • 26.04.2013 / zeitraumexit Mannheim
    30.05.2013 / Gessnerallee Zürich
    31.05.2013 / Gessnerallee Zürich
    05.06.2013 / Theatermaschine Gießen
    06.06.2013 / Theatermaschine Gießen
    08.06.2013 / Theaterhaus Hildesheim
    10.06.2013 / Waggonhalle Marburg
    14.06.2013 / Die Pumpe, Kiel
    18.06.2013 / APEX, Göttingen
    22.06.2013 / Bürgerhaus, Kagel
    26.06.2013 / Theaterdiscounter Berlin
    27.06.2013 / Theaterdiscounter Berlin
    28.06.2013 / Theaterdiscounter Berlin
    29.06.2013 / Theater Frankfurt, Frankfurt (Oder)
    13.02.2014 / Mousonturm Frankfurt a.M.
    14.02.2014 / Mousonturm Frankfurt a.M.
    15.02.2014 / Mousonturm Frankfurt a.M.
    23.05.2015 / OUTNOW! Festival / Theater Bremen


  • Wenigstens genauso alt wie das große Theater mit den bekannten Vertretern aus 2 000 Jahren ist die kleine theatrale Form. Einzelne Nummern, die in loser Folge Effekte, Pointen und Melancholien produzieren. Das Spektrum reicht weit: vom Kabarett zur Pantomime, von der Zauberei zur Jonglage, von der Lesung zum Chanson. Und meist verbrüdert sich der Eine oder das Duo auf der Bühne mit dem Publikum zur Gemeinschaft. Man ist sich einig – und hat Spaß dabei.

    Wir eignen uns die Kniffe, Tricks und Herangehensweisen der Kleinkunst an, um aus ihnen etwas Neues zu machen. „Die kleine Freiheit – vielleicht“ ist kein Kabarett- oder Comedy-Abend, sie ist aber auch kein klassisches Bühnenstück.
    Uns interessieren die Stärken dieses Formats: der Humor, die Möglichkeit des raschen Wechselns zwischen verschiedensten Haltungen, das Spiel mit unvorhergesehenen Situationen, die inhaltliche und formale Vielfalt.
    Uns interessieren aber auch die Schwächen der Kleinkunst: ihre Unverbindlichkeit im Aneinanderreihen von Einzelteilen, ihre mögliche Harmlosigkeit, ihr (mitunter gar als Kritik getarnter) Opportunismus.

    Zu zweit spielen wir uns durch diese Ambivalenzen. Einerseits nutzen wir dabei die bekannten Settings: der Mann am Klavier, der Stand-Up Comedian, die Puppenspieler etc. Andererseits gehen unsere Aktionen in ganz andere Richtungen, wo sie kein bekanntes Bild mehr zitieren, sondern auf abstrakte Weise eine eigene Welt kreieren. Das Besondere aber ist, dass diese Welt nur mit den Mitteln der Kleinkunst gebaut werden kann, auch wenn sie deren Rahmen sprengt.

    Bei all unseren Aktionen, Texten und musikalischen Ergüssen geht es keinesfalls darum, die Kleinkunst abzutun. Wir glauben, dass sich an diesem Bühnenformat etwas zeigt, das viel mit uns und unserer Gegenwart zu tun hat. Es sind Fragen nach der Möglichkeit und Gestalt von kritischer Kunst, Fragen nach dem stoischen oder gar blindwütigen Weitermachen trotz fehlender Legitimationen bis ans Ende aller Tage und nicht zuletzt Fragen nach einer spannenden zeitgenössischen Theaterästhetik.

    Sollten wir falsch liegen, sollte es wenigstens großen Spaß machen.

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